PNP 01.11.19: Wie Töginger die deutsche Teilung erlebten

Veröffentlicht am 03.11.2019 in Allgemein

30 Jahre Mauerfall: SPD-Ortsverein erinnert am Sonntag an vier Oberbayern, die 1964 nach Berlin zogen

Töging. In die Zeit vor rund 55 und 30 Jahren blickt der SPD-Ortsverein Töging am Sonntag, 3. November zurück: "30 Jahre Mauerfall – wie Töginger die deutsche Teilung erlebten", ist die Veranstaltung ab 14.30 Uhr im Gasthaus Müllerbräu betitelt.

3. Bürgermeister Günter Zellner wird die öffentliche Veranstaltung moderieren, Hans-Werner Bauer eine spezifische Verbindung zwischen der damaligen Gemeinde Töging und der Spree-Metropole Berlin ab 1964 aufzeigen: Die TuS-Judokas Friedrich Garbe († 2008), Georg Harrer († 2016), Georg Wendlinger und Ludwig Rietschl zogen damals nach West-Berlin, um der bevorstehenden Einberufung zur Bundeswehr zu entgehen. Fürchteten sie doch in dieser intensiven Phase des Kalten Krieges, dass sie tatsächlich in einer mit Atomwaffen ausgetragenen Auseinandersetzung kämpfen müssten. Doch wer seinen Erstwohnsitz in West-Berlin hatte, war von der Wehrpflicht befreit.

Zeitzeuge: Hans- Werner Bauer
Zeitzeuge: Hans- Werner Bauer

Den Einberufungsbescheid erst gar nicht geöffnet Wendlinger, Garbe und Rietschl kamen dem Schreiben vom Kreiswehrersatzamt zuvor – "sie sind gleich abgehauen", erinnert sich Zeitzeuge Hans-Werner Bauer im Gespräch mit dem Anzeiger. Georg Harrer blieb dagegen in Töging, bis ihm der Einberufungsbescheid zugestellt wurde. Er öffnete das Schreiben aber gar nicht erst und machte sich drei Tage später ebenfalls auf den Weg nach Berlin.

Harrer, Wendlinger und Rietschl waren gelernte Elektriker, Garbe Metzger. Alle fanden in Berlin Arbeit und schlossen sich für die Freizeitgestaltung der Judoabteilung des TSV Rudow im Bezirk Neukölln an. Innerlich blieben die "Exilanten" der Heimat am Inn verbunden und gingen bald zurück. Ausnahme: Ludwig Rietschl. Er heiratete an der Spree und blieb längere Zeit dort, ehe er später nach München zog. Georg Harrer kehrte dagegen etwas zu früh nach Töging zurück, so dass er prompt von den Behörden geschnappt wurde und schließlich doch "zum Barras" musste. Für die drei anderen hatte die "Flucht" nach Berlin dagegen den gewünschten Effekt, sie blieben vom Wehrdienst verschont.

Unter den in Töging gebliebenen jungen Sportkameraden sorgte der Umzug der vier in die Spree-Metropole für Staunen und Bewunderung. In Berlin war drei Jahre zuvor die Mauer gebaut worden, die Stadt stand als Brennpunkt des Ost-West-Konflikts im Fokus des Weltgeschehens. Und so machten sich im Jahr 1965 20 junge Leute aus Töging auf den Weg, um die Freunde in der Ferne zu besuchen. In sieben Privat-Pkw machte man sich auf nach Berlin – doch die Fahrt war wesentlich weniger komfortabel als heute auf gut ausgebauten Autobahnen. Und: Sie führte über die innerdeutsche Grenze, die seinerzeit im Kalten Krieg scharf bewacht war.

Hans-Werner Bauer wird am Sonntag berichten, wie die DDR-Grenzschützer ihn und die anderen Reisenden "filzten" und die Autos akribisch durchsuchten. Mit länglichen "Knorpeln" wurde untersucht, ob im Tank Verbotenes versteckt sei, bei einem Wagen wurde sogar die Rücksitzbank ausgebaut – "wir haben sie danach kaum mehr einbauen können!" Doch auch nach der langwierigen Grenzprozedur hatten die Töginger keine Ruhe vor den DDR-Ordnungshütern: Bei der Überquerung einer im Krieg beschädigten und auch jetzt, gut 20 Jahre später noch kaum instand gesetzten Brücke über die Elbe tauchten wieder Volkspolizisten auf: Nun hatten die Töginger angeblich das 30-km/h-Tempolimit missachtet und sollten 30 Mark Strafe bezahlen. Einer bezahlte mit einem 100-D-Mark-Schein und bekam das Wechselgeld in Ost-Mark zurück – die aber freilich kaum Kaufkraft hatten.

In Berlin angekommen, zeigten die jungen Töginger bei Freundschaftskämpfen mit den Judoka des TSV Rudow ihr Können. In der Freizeit hatte es ihnen das pulsierende Berliner Nachtleben ohne Sperrstunde angetan. Die Töginger waren bei Privatleuten untergebracht, doch einer hatte dort nur sein Gepäck abgestellt – um dann drei Tage und Nächte nicht mehr zu erscheinen. Hans-Werner Bauer: "Er hat sich dann so geschämt, dass er schließlich seinen Freund bat, das Gepäck abzuholen."

Solche Streiche konnten freilich die Freundschaft zu den Judoka aus Rudow nicht erschüttern. Und so besuchten die Töginger Kampfsportler Berlin jahrelang regelmäßig, später in Bussen. Auch dabei lernten die Reisenden die Unerbittlichkeit der DDR-Grenzer kennen und sahen sich Schikanen ausgesetzt, die heute in Zeiten offener Grenzen kaum mehr nachvollziehbar sind. Hans-Werner Bauer wird am Sonntag von mancher Episode aus dieser Zeit berichten.

1989 wieder in Berlin und als "Mauerspecht" aktivAls 1989 die Mauer fiel, war Bauer bald wieder in Berlin und klopfte als "Mauerspecht" eigenhändig einige Stücke aus dem Bauwerk, das seit 1961 die Stadt in Ost und West geteilt hatte. Die Urkunde, die die Echtheit der Betonbrocken bestätigt, hält er bis heute in Ehren. Gegenseitige Besuche der Judoka aus Töging und vom TSV Rudow waren nun viel leichter – und dennoch schlief die Verbindung Ende der 90-er Jahre ein: War doch mittlerweile beim TSV Rudow niemand mehr, die die Besuche in den 60er Jahren noch miterlebt hatten. 2003 versuchte man noch einmal die Verbindung aufzufrischen – vergeblich.

Obwohl er nie dauerhaft in Berlin lebte, blieb Hans-Werner Bauer die Wehrpflicht übrigens auch überwiegend erspart: Zwar zog man ihn ein, in einer Münchner Funk-Einheit sollte er den "Dienst fürs Vaterland" leisten. Doch nach zwei Wochen verlor er bei der "Formalausbildung" (u.a. im Gleichschritt gehen) die Nerven: "Ich riss mir den Stahlhelm vom Kopf und habe geschrien: ,Ich möchte zum Doktor!‘" Der Arzt bescheinigte, dass er nicht zum Wehrdienst taugte – Bauer durfte heim gehen.
- afb

 

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